Vom Schüler zum Maschinenbauer: Plastik-Recycling mit 3-D-Druck

Shownotes

Gegründet wurde die QiTech GmbH noch von der Schulbank aus. Milan von dem Bussche und seine Schulfreunde wollten aus recycelten Flaschen-Plastikverschlüssen mittels 3-D-Druck Handyhüllen herstellen. Aus Küchenmixer und Bettmotor der Mutter bauten sie ihre erste Maschine, um Plastik zu schreddern und Filament, die „Tinte“ des 3-D-Druckers, herzustellen. Doch keiner wollte die spröden, harten und schweren Handyhüllen haben. Dafür waren das Filament und die Maschinen umso gefragter. Die Schüler-Gründer passten ihr Geschäftsmodell an und stellen seitdem Filament und die dafür notwendigen Maschinen her. Ihrer Vision vom dezentralen Plastik-Recycling für 3-D-Druck sind sie ein ganzes Stück näher gekommen, seitdem sich auch Universitäten und die Automobilindustrie für ihre „Quite interesting Technologies“ (QiTech) interessieren.

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QiTech GmbH

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KfW Podcast „Ungeschönt“

QiTech GmbH

mit Milan von dem Bussche

Nach dem Abitur haben wir uns ja eine alte Rewe-Halle gemietet in Oppenheim. Also wir sind aus der Garage rausgezogen, die Garage war zu klein, und wir haben uns einen 2.500-Quadratmeter-Supermarkt gemietet, und da haben wir dann unsere Produktion aufgebaut, unsere Maschinen und unser Büro. Also wir haben dann auch teilweise im Supermarkt da gewohnt, in der alten Metzgerei, und in der alten Bäckerei war mein Zimmer, da hatte ich dann so mein Bett aufgeschlagen. Das war so eine Art Start-up-WG.

Von der Schulbank aus gründen – das ist zwar möglich, doch stoßen schulpflichtige Gründerinnen und Gründer hierzulande auf ganz besonders bürokratische Hürden. Die Gründer des Start-ups, das wir heute vorstellen, waren allerdings so überzeugt von ihrer Idee, dass sie nicht lockerließen und nach dem ersten Scheitern ihr Geschäftsmodell umstellten. Ihre Vision: dezentrales Plastikrecycling für 3D-Druck. Wie das geklappt hat, hören Sie jetzt bei „Ungeschönt“. Ich bin Holger Thurm und freue mich auf einen der Gründer der QiTech GmbH.

Hallo, Herr von dem Bussche!

Hallo!

Sie haben mit ein paar Freunden die QiTech GmbH gegründet. Wie alt waren Sie da?

Wir waren da 15, als der ganze Prozess gestartet hat.

Was ist das, welche Klasse?

Boah, das war so in der 10. Klasse. Wir hatten … Es war alles so kurz da, wo man in die Oberstufe kommt, gerade so seinen Leistungskurs gewählt hat, da kam so die Idee und dann kamen die Wettbewerbe und dann hat sich so alles Schritt für Schritt entwickelt.

QiTech ist ein Start-up, das in der sprichwörtlichen Garage begonnen hat. Stimmt es, dass Sie Ihre erste Maschine aus einem Küchenmixer und einem Bettmotor Ihrer Mutter gebaut haben?

Ja, tatsächlich. Also, wir bauen ja Maschinen, mit denen man aus Plastikmüll 3D-Drucker-Filament herstellt. Und die ersten Maschinen haben wir noch tatsächlich mit der Hilfe von unserem Schulhausmeister zusammengeschraubt und hatten dann so ein Wasserrohr zusammengeschweißt und dann brauchten wir eben einen Motor. Und meine Mutter war auf Dienstreise und die hatte so ein höhenverstellbares Bett. Und da haben wir den dann ausgebaut und in die Maschine eingebaut. Und so hatten wir dann einen Motor; und der Küchenmixer, der war dazu da, um das Plastik zu zerschreddern, weil bevor man es einschmilzt zu neuem 3D-Druck-Filament, muss man es ja irgendwie zerkleinern. Das heißt, zum Entsetzen meiner Eltern habe ich den Küchenmixer entwendet von der Küche und damit angefangen, Flaschendeckel zu schreddern.

Ja, und die Mutter haben sie offensichtlich vorher nicht gefragt. Wie hat sie denn reagiert?

Also im ersten Moment war sie fassungslos. Aber dann hat sie auch eingesehen: Das ist laufende Produktion, der Motor kann nicht mehr zurück (lacht). Aber all in all: Den Küchenmixer haben wir dann halt einfach wieder ordentlich ausgewaschen und dann konnte man ihn auch wieder verwenden.

QiTech steht für „Quite Interesting Technologies“. Wie alles begann, erzählen wir jetzt.

Gestartet ist QiTech als ein Schülerprojekt. Zunächst wollten die Oppenheimer Schüler Milan von dem Bussche, Simon Kolb, Noel Lieder, Malte Ernst und Christoph Eisenach individuell designte Handyhüllen im 3D-Drucker herstellen – nachhaltig aus recyceltem Plastik. Dazu entwickelten sie eine Methode, ihr eigenes Filament herzustellen, also den Plastikdraht, den 3D-Drucker als Ausgangsstoff benötigen – quasi die „Tinte“ des 3D-Druckers. Die jungen Gründer bauten Maschinen, um Flaschendeckel aus Plastik zu schreddern, einzuschmelzen und als dünnen Draht aufzuwickeln. Die gedruckten Handyhüllen jedoch waren schwer, hart und spröde. Keiner wollte sie. Dafür kamen jede Menge Anfragen nach dem Filament und den Maschinen. Heute stellt QiTech Recycling-Filament und -Spulen her, während QiTech Industries Maschinen baut und mit der dazugehörigen Software vertreibt. Über 70 Kunden in aller Welt hat QiTech bereits, darunter Automobilbauer und Universitäten. Von einer ehemaligen Supermarkthalle konnten die Gründer in eine Produktionshalle nahe der Technischen Universität Darmstadt umziehen, wo sie heute Maschinenbau studieren. Doch der Start als Schüler war alles andere als einfach.

Herr von dem Bussche, warum war der Start für Sie und Ihre Mitgründer als Schüler so schwierig?

Na ja, wenn man als unter 18-Jähriger eine Firma starten möchte, dann kommt man irgendwann auf das Problem: Man muss eine Rechnung schreiben, weil: Wenn ein Unternehmen was einkaufen will, braucht es eine Rechnung. Und man braucht ein Bankkonto, damit man irgendwie seine Finanzen verwalten kann. Und um das zu haben, braucht man eine Firma. Und wenn man dann versucht, eine Firma zu gründen, dann wird einem schnell gesagt: Das dürfen Sie nicht, weil Sie sind noch nicht geschäftsfähig. Und ich war damals 16, das heißt, ich war nicht geschäftsfähig. Und dann ist der Prozess: Man muss sich beim Amtsgericht, beim Familiengericht, also muss man sich zur Geschäftsfähigkeit ernennen lassen; und das ist extrem mühselig, extrem schwierig. Ich wurde zum Beispiel abgelehnt. Und …

Warum?

Na ja, also vielleicht kurz zu dem Prozess: Wenn man als unter 18-Jähriger eine Firma in Deutschland anmelden will, dann geht man zum Familiengericht und dann hatten die uns zumindest gesagt: Okay, ihr braucht eine Bestätigung von der Schulleitung, dass eure Noten darunter nicht leiden werden, vom Finanzamt, vom Jugendamt, dass ihr das alles auskraftet, von eurem Umfeld, und nicht ausgenutzt werdet etc. Und diese ganzen Bestätigungen soll man – auch von der IHK auch noch, dass unser Businessplan valide ist –, und diese ganzen Bestätigungen soll man eben einsammeln und dann noch einen förmlichen Antrag zum Familiengericht geben. Und dann reicht man das ein und dann wurden wir abgelehnt wegen Formfehlern tatsächlich, weil der Antrag auf Geschäftsfähigkeit muss von unseren Eltern unterschrieben werden, nicht von uns, weil unsere Unterschrift heißt ja nichts, wir sind ja noch unter 18. Und dann haben wir auch telefoniert und hinterfragt und wie es geht. Und die meinten, es wäre unrealistisch, dass zwei 16-Jährige hier in Mainz Geschäftsfähigkeit erlangen werden. Und dann habe ich gedacht: Okay, das ist doof. Und wir haben den Workaround gemacht. Meine Schwester, die studiert gerade in den Niederlanden, und die ist dann spontan als Geschäftsführerin eingesprungen. Das heißt, die ist dann über die Grenze gefahren zum Notar mit dem Fahrrad und hat da das unterschrieben, war dann offiziell Geschäftsführung und ich war Inhaber der Company. Und so kann man quasi als Jugendlicher eine Firma gründen. Man darf zwar nicht Geschäftsführer sein, aber man darf Inhaber sein.

Ja, also das war das Problem mit der Gerichtsbarkeit. Aber wie begegnet denn die freie Wirtschaft, das Finanzwesen, die Gesellschaft allgemein, Unternehmer-Teenagern wie Ihnen?

Also es ist natürlich vor allen Dingen am Anfang ein großes Problem, ernst genommen zu werden, also dass man so zeigt: Okay, das ist jetzt nicht nur ein „Jugend forscht“-Projekt, sondern wir wollen hier wirklich was umsetzen. Das Finanzamt oder das Amtsgericht, damals noch mit sehr hoher Stimme, haben die schon gedacht so: Kann ich mal bitte die Eltern sprechen, oder darf ich jetzt mal mit dem Notar … Also da wird man quasi schon direkt allein an der Stimme … dachten die so: Okay, da kann was nicht stimmen. Und ansonsten ist es schwierig, in der Wirtschaft quasi so wirklich die … an die großen Aufträge zu kommen und so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, weil natürlich schon das Vorurteil herrscht: Okay, jung, dumm, dynamisch. Das heißt: Ja, die machen jetzt ein Start-up, aber mal sehen, vielleicht … Also mein heutiger Mentor, der hat damals, nach unserem ersten Zeitungsartikel, wo wir noch in der Garage waren, hat er uns eingeladen zu seiner Produktion, wollte uns zeigen, wie das die Profis machen, der hat ein großes Kunststoffunternehmen. Und von ihm kam auch so ein Sprichwort: „Ja, in zwei Jahren werden Sie doch eh in Berlin im Co-Working-Space sitzen und die nächste Dating-App entwickeln.“ So Sachen halt, dass man nicht so ganz das Vertrauen hat, dass eine Person in den jungen Jahren schon weiß, was die Person machen möchte und wirklich so eine Mission hat und die durchziehen wird. Das ist schwierig, da muss man quasi erst dafür kämpfen. Das ist halt der gewisse Nachteil, den man hat als sehr junger Gründer.

Das heißt, am Telefon stellen Sie jetzt die Stimme drei Oktaven tiefer, oder was?

Ja, genau. Also beim Amtsgericht habe ich es dann so gelöst, dass ich halt wirklich vor dem Gespräch so ein bisschen gesummt habe, um meine Stimme drei Oktaven tiefer zu stellen. Und das hat dann auch insofern funktioniert, dass zumindest nicht im ersten Satz nach meinen Eltern gefragt wurde. All in all muss man aber sagen: Es kommt dann aber auch sehr viel einfach dadurch, dass man die ersten Erfolgs- und Referenzprojekte hat. Dadurch schafft man dann ja quasi so eine Art Beweisstapel an Sachen, die schon funktioniert haben. Aber dieser Anfang ist halt besonders schwer.

Wann ging das eigentlich los, dass Sie die Lust am Unternehmertum verspürten?

Also ich denke, das hat relativ früh angefangen. Ich denke aber, bei mir stand auch weniger so Unternehmertum im Vordergrund, eher so die Technikbegeisterung. Früher, als kleines Kind, habe ich zum Beispiel mit meinen Playmobil- und Lego-Burgen … dann angefangen, so mit fischertechnik so einen Kran zu bauen, mit so einem Solarpanel, der den Kran angetrieben hat. Und … so das waren, denke ich, so die Ursprünge von der Begeisterung, so: Hey, man kann hier, wenn man ein bisschen rumtüftelt, echt was Cooles erreichen und was aufbauen, und das sehen dann andere Leute und die finden das auch cool. Habe ich dann meine ersten YouTube-Videos gemacht. All in all würde ich sagen: Es fängt früh an, aber es hat sich jetzt bei mir erst so in der zehnten Klasse …, wo ich so dachte „Hey, das hier ist ’ne coole Idee“; und damit durch diese Wettbewerbe ist es dann erst so richtig entfacht. Also da muss ich sagen: Ich denke, die Wettbewerbe waren wirklich ein Katalysator.

Was waren das für Wettbewerbe?

Also vor allen Dingen „Jugend gründet“ und „Startup Teens“. Das waren die entscheidenden Wettbewerbe, wo wir halt teilgenommen haben. Und ich kann es ja mal kurz erzählen: Bei „Jugend gründet“ ist es so: Man schreibt einen Businessplan. Das heißt, wenn man als Zehntklässler eine Idee hat in Deutschland, dann kann man jedes Jahr bei „Jugend gründet“ oder bei „Startup Teens“ einen Businessplan einreichen. Da muss man dann so Fragen beantworten wie: Was ist das Problem, das ihr löst? Wie sieht euer Produkt aus? Was ist eure Zielgruppe? Wie geht ihr diese Zielgruppe an? Was sind eure Marketing-Kanäle? Wie finanziert ihr die Produktion? – Und generell sich mal als Zehntklässler über so Fragen Gedanken zu machen, ist schon echt so ein einschlagendes Thema, weil man dann auf einmal auch blickt, wie zum Beispiel der Kaffeeladen vor Ort auch ja so eine Produktions- und Finanzplanung machen muss. Und auf einmal ergibt so viel einen Sinn. Und wenn man das dann selber macht, dann entfacht das auch so ein Feuer, weil: Man will dann mehr verstehen und mehr machen. Und dann reicht man diesen Businessplan ein und wenn der gut ist, dann kommt man in die Top 30 und kommt zu Pitch-Events. Da stellt man dann seine Idee vor, vor einer Jury von Wirtschaftsexperten, und die geben einem dann auch noch Feedback. Das heißt, man übt das Präsentieren und kriegt Feedback, inwiefern die Idee realistisch ist, wo noch gefeilt werden muss, auch wie die Präsentationskünste sind. Und das war für uns so der Katalysator, weil uns das auch so einen gewissen Rahmen gegeben hat. Weil ich … ich denke, es gibt viele junge Menschen, die eine Idee haben, aber wenige fangen wirklich an, was zu machen. Und die Wettbewerbe „Jugend gründet“, „Startup Teens“, die geben eben so einen Rahmen, dass man wirklich anfangen kann und so ein bisschen geführt wird durch den ganzen Prozess, mal ein Businessplan schreibt, mal die kritischen Fragen überdenkt; und dann kann man wirklich loslegen. Wenn man das hat und da weiterkommt, dann ist das quasi das Sprungbrett, um wirklich erfolgreich zu werden.

Also durchaus empfehlenswert für andere junge Gründerinnen und Gründer, an solchen Wettbewerben teilzunehmen?

Hundertprozentig. Und bei uns war es dann quasi … nach den Schülerwettbewerben war es dann … wir haben … wir machen das regelmäßig. Das ist quasi auch Teil der Firmenkultur, dass man sich immer mal wieder irgendwo bewirbt und sich so zusammensetzt, einen Businessplan schreibt, überlegt: Okay, was sind denn unsere Ziele jetzt für die nächsten zwei Jahre? Und dann reicht man das ein. Und jetzt hier – wir sind ja beim KfW-Podcast –, der KfW Gründen Award, da hatten wir uns dann beworben. Und das Besondere ist dann, das sind ja dann nicht mehr Schülerwettbewerbe, sondern das sind dann so größere Unternehmerwettbewerbe. Und das Besondere ist: Durch den Award bekommt man nicht nur irgendwie ein Preisgeld, das ist immer irrelevant. Ich denke, viele denken, das Preisgeld ist das Wichtige, aber das Preisgeld ist absolut irrelevant. Was wichtig ist: dass man dieses Siegel hat, diese Autorität. Wir hatten ja eben darüber gesprochen, wie ist es, als junger Gründer ernst genommen zu werden. Allein dadurch, dass wir diesen Award bekommen haben von der KfW und da die Gala in Berlin, die Pressefotos, die ganze Begleitpresse drum herum, das war so ein Katalysator, weil wir auf einmal ganz andere Aufträge bekommen haben, zum Beispiel aus der Automobilindustrie, wo wir vorher quasi nicht die Autorität hatten oder das Vertrauen hatten, dass die sagen: „Okay, den Jungs, da machen wir mal einen großen Auftrag für Maschinen!“ Und das ist so das Entscheidende. Und warum ich auf jeden Fall jedem empfehlen würde, der ein Start-up macht: Nehmt an Wettbewerben teil und an Challenges, das bringt euch wirklich weiter.

Sie sind ja nicht alleine Gründer, Sie haben ja ein Gründungsteam.

Ja.

Wie ist das? Sind Sie da alle ähnlich hinsichtlich Temperament oder Fähigkeiten? Macht bei Ihnen jeder alles oder gibt es da ganz klare Aufgabenverteilungen?

Ich muss sagen, das variiert sehr stark. Also wenn Sie mich heute fragen oder nächste Woche, es kommen immer wieder andere Antworten bei raus. Also wir haben die verschiedensten Sachen ausprobiert. Also nach dem Abitur haben wir uns ja eine alte Rewe-Halle gemietet in Oppenheim. Also wir sind aus der Garage rausgezogen, die Garage war zu klein und wir haben uns einen 2.500-Quadratmeter-Supermarkt, leer stehenden Supermarkt gemietet, und da haben wir dann unsere Produktion aufgebaut, unsere Maschinen und unser Büro. Also wir haben dann auch teilweise im Supermarkt da gewohnt, in der alten Metzgerei, und in der alten Bäckerei war mein Zimmer, da hatte ich dann so mein Bett aufgeschlagen. Das war so eine Art Start-up-WG, und wir haben uns da Duschen gebaut und alles. Das war schon alles sehr cool und wir hatten quasi so eine Präsenzpflicht eingeführt. Wir sagen: Okay, andere gehen ein Jahr nach dem Abi nach Australien, nach Neuseeland – wir machen ein Jahr Firmenjahr. Das heißt, ab dem Punkt, wo wir die Abizeugnisse hatten, ein Jahr lang einfach nur hustlen und versuchen, das Unternehmen zu skalieren und wirklich kommerziell erfolgreich zu kriegen, dass wir uns selber Gehälter zahlen können. Und da haben wir dann zum Beispiel ausprobiert: Okay, wir machen jetzt Präsenzpflicht, 40 Stunden von dann bis dann. Und wir hatten sogar eine eigene Betriebskantine. Wir haben dann immer mittags da gekocht in der alten Mitarbeiterküche. Und das war quasi so eine Strategie. Aber es passt halt auch nicht so ganz zur Lebensrealität, weil man doch ja noch andere Projekte hat. Das heißt, da haben wir quasi unsere Lektion gelernt und tüfteln das quasi immer weiter aus, wie so das Optimale ist. Aber auf jeden Fall sind wir bis heute dabeigeblieben, dass wir eher auf die Präsenztaktik und die Vor-Ort-Taktik gehen. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir Maschinen bauen. Bei uns ist nix mit digital und E-Mail schreiben remote. Man muss schon vor Ort sein, um die Maschinen auch zusammenzuschrauben und die zu entwickeln. Und darauf legen wir auch irgendwie Wert. Und das, denke ich, war auch ein großer Vorteil, den wir hatten im Vergleich zu anderen Start-ups, die quasi komplett auf dieses Remote setzen und sich quasi nur noch über Zoom-Calls kennen. Ich denke, es schafft eine viel tiefere Verbindung, wenn man sich auch wirklich regelmäßig sieht. Und ich denke, das macht auch einfach viele Probleme deutlich, deutlich einfacher, weil man sich einfach sieht. Also allein wenn man einfach so die andere Person, den Vibe von der anderen Person merkt, merkt man schon, ist sie gerade gestresst, und das funktioniert einfach besser in Person als in Zoom-Calls. Und ich denke, dadurch haben wir quasi viele Probleme, die so große Corporate-Unternehmen gerade haben, die haben wir einfach nicht.

Jetzt haben Sie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Ja, es ist teilweise echt lustig, was wir … also es ist schon relativ wild zusammengestellt, unser Team. Also wir haben jetzt zum Beispiel aktuell eine über 30-jährige Praktikantin, die gerade eine Fortbildung zur IT-Fachfrau macht, und die arbeitet gerade bei uns und programmiert unsere Luftkühlung um und schraubt nebenbei an den Maschinen. Wir hatten auch mal jemanden von der Bundeswehr, der das Zivilpraktikum machen musste, der elektronische Kampfführung gemacht hat. Seitdem sind unsere Maschinen auch besonders sicher. Und so haben wir schon sehr, sehr lustige Leute gehabt, auch ein sehr diverses Team. Aber so der Kern und der Großteil vom Team, das ist alles noch der Kern, der sich damals im Physikleistungskurs unserer Schule gebildet hat. Das heißt, das ist so unser Kernteam, wir sind alle 19 bzw. 20, und wir haben uns alle quasi … wir hatten an der gleichen Schule das Abi gemacht, da Physik- oder Chemie-LK zusammen, und haben dann beschlossen: Okay, wir machen jetzt was, und sind dann in die Rewe-Halle in Oppenheim gezogen und jetzt in die neue Fabrikhalle in Darmstadt, wo wir auch alle mehr oder weniger nebenbei Maschinenbau oder Informatik studieren.

Ihre Idee war ja ursprünglich, aus alten Handyhüllen neue Hüllen, individualisierte Hüllen zu machen, …

Ja.

… zu drucken mit dem 3D-Drucker, und die wollte dann keiner haben. Hatten Sie dann nicht den Impuls, alles wieder sein zu lassen?

Ja, also die erste Idee war quasi, dass wir individuelle Handyhüllen mit dem 3D-Drucker herstellen, weil das Coole an 3D-Druck ist ja: Man kann beliebig individuell frei Sachen produzieren ohne Aufwand. Das heißt, wenn Sie jetzt ein großes „T“ auf Ihrer Handyhülle haben möchten, dann könnten wir Ihnen das einfach machen. Und wir haben das dann angefangen und hatten dann so eine kleine Folie wie von so einem Overheadprojektor. Und da sollten dann Leute mit Filzstift quasi so aufmalen: So möchten sie ihre Handyhülle machen, und so haben wir es dann gemacht. Das Problem war nur: Die Handyhüllen aus dem 3D-Drucker waren spröde und dick wie ein Backstein und auch viel zu schwer. Das heißt, die wollte niemand wirklich haben Und die 3D-Druck-Technik war zu dem Zeitpunkt auch einfach noch nicht so weit, dass man so flexible Materialien in perfekter Qualität drucken konnte – zumindest nicht, wenn man einen selbst zusammengeschraubten 3D-Drucker für 200 Euro hat. Das heißt, das ist ein ganz schöner Fail gewesen. Aber durch diesen Fail kam halt quasi, dass wir sehr viele Prototypen an Handyhüllen hatten, also wirklich Hunderte Handyhüllen, die halt missglückt waren – falsche Farbe, falsche Form, und das ja auch noch für jedes Handymodell. Und dann haben wir beschlossen: Okay, wir können doch, um auch Materialkosten einzusparen, können wir diese alten Prototypen-Handyhüllen schreddern mit dem Küchenmixer und dann wieder neues Filament draus schmelzen – also Filament ist quasi der dünne Kunststoffdraht, die Tinte für den 3D-Drucker. Also wir können quasi die alten Handyhüllen wieder zu neuem Ausgangsmaterial machen und dann wieder verdrucken. So sparen wir Kosten und wir haben keinen Abfall mehr. Und diese Idee ist quasi so entstanden, und da haben wir damit weitergemacht. Und als wir dann gemerkt haben, okay, unser Recycling hier funktioniert, aber die Handyhüllen nicht, haben wir es halt trotzdem auf Instagram gestellt und auf YouTube und haben das so gezeigt, was wir so gebastelt haben in unserer Garage. Und auf einmal kamen halt Anfragen von Leuten, die meinten: Hey, wir würden gern die Maschinen kaufen, also gar nicht die Handyhülle, sondern wir haben Interesse an den Maschinen; wir wollen das hier in unserem Labor aufbauen, wir wollen auch Filament herstellen. Und so kam dann quasi der Shift, einfach dadurch, dass man sehr transparent zeigt, was man so macht – das ist ja die große Kraft der sozialen Medien –, kam dann so der Shift, der Pivot bei uns, dass wir gesagt haben: Okay, hey, hier ist anscheinend Interesse an dem Recycling und an den Maschinen. Die Handyhüllen waren ein ganz schöner Flop. Das waren sie auch, [das war uns] selbst bewusst. Aber dann war es ja klar so: Warum denn aufgeben, wenn Leute Lust haben? Wie cool ist denn der Gedanke, dass jemand mit unseren Maschinen in Frankreich anfängt, Plastik zu recyceln? Und dann haben wir damit weitergemacht.

Und Sie sind dann nicht bei Handyhüllen stehen geblieben, sondern Sie kamen auf die Idee, Plastikverschlüsse von Flaschen zu nehmen. Wann kam diese Idee?

Ja, also Flaschendeckel ist ein spannendes Thema. Ich bin ein großer Flaschendeckel-Nerd, vielleicht einer der der größten in ganz Deutschland. Wir hatten für das 3D-Druck-Filament, diese Tinte für den 3D-Drucker, diesen Kunststoffdraht. Der kommt immer auf Spulen, also Spulen wie so eine Kabeltrommel logischerweise. So. Und diese Spulen sind aktuell in der Industrie einfach so Einwegspulen, die man importiert. Und das wollten wir nicht bei unserem 3D-Druck-Filament mitmachen. Wir wollten eigene Spulen machen, die cooler sind, weil man die wiederverwenden kann, weil man die quasi aufschrauben kann und wiederverwenden kann. Und dieses Prinzip wollten wir dann geschickt umsetzen, indem wir die Spule nicht nur wiederverwendbar machen, sondern auch noch recycelt. Und dann haben wir so eine kleine Spritzgussmaschine gebaut, also eine Maschine, mit der man Plastikmüll in eine Form reinspritzen kann, quasi gießen kann. Und damit konnten wir dann unsere eigenen Kabeltrommeln, unsere eigenen Spulen herstellen. So. Und wir brauchten viele Spulen. Also brauchten wir viel Material und da reichte natürlich nicht der Abfall von den Handyhüllen-Produktionen, sondern da haben wir gesagt: Okay, wie kriegen wir große Mengen an verschiedenen Farben an einheitlichem Material? Und da kamen wir dann – durch Zufall, einfach, weil wir die halt viele rumliegen hatten – auf Flaschendeckel. Flaschendeckel sind eigentlich ein tolles Material, weil es gibt die erst mal in allen Farben und die sind auch noch sehr genormt, also genormte Größe. Und das ist immer der gleiche Kunststoff, zumindest wenn man die Flaschendeckel von Glas-Mehrwegflaschen nimmt. Also Glas-Mehrwegflaschen sind ja ein geniales Konzept. Man trinkt es aus, man gibt es zurück und es wird ausgewaschen. Aber logischerweise, bevor es ausgewaschen wird, muss der Deckel abgeschraubt werden. Und diese ganzen Deckel kriegen wir dann direkt von der Fabrik, wo die Glasflaschen gewaschen werden. Und so haben wir dann aktuell so zwei Millionen Deckel, und die sortieren wir dann nach Farbe, schreddern sie und haben quasi schönes Ausgangsmaterial in den verschiedenen Farben, das wir zu hochqualitativen Spulen herstellen können.

Und haben Sie dann auch eine Farbsortiermaschine gebaut?

Genau, die berühmte Flaschendeckel-Sortiermaschine. Die erlebt gerade sogar ein Remake. Also unsere Flaschendeckel-Sortiermaschine, das war so das spannende Projekt, das wir in dieser Hallenzeit gemacht haben. Damit können wir eben die Flaschendeckel nach Farbe sortieren. Denn das Ding ist: Es gibt in Deutschland viel zu viel Downcycling. Das heißt, man nimmt halt verschiedene Kunststoffe, vermischt die zusammen, weil: Die Flaschendeckel haben ja alle verschiedene Farben. Wenn man die einfach nimmt, schreddert – im Küchenmixer oder einem richtigen Schredder – und dann verarbeitet, kriegt man halt so eine braun-grüne Parkbank raus oder einen Blumentopf. Also das ist halt Downcycling. Weil das Problem ist: Wenn man die Farben einmal vermischt, kriegt man sie nie wieder auseinander. Und genau da setzten wir an und wir dachten so: Okay, wenn wir Recycling machen, dann müssen wir es richtig machen, ordentlich machen. Das heißt, man muss erst sortieren nach Farbe. Weil dann können wir aus Gerolsteiner-Blau auch wieder ein türkises Blau herstellen und nicht alles vermischen. Und dafür brauchten wir eine Flaschendeckel-Sortiermaschine. Und da haben wir dann angefangen zu schrauben und zu basteln; und das ganze Ding ist dann so ein 4-mal-4-Meter-Konstrukt geworden, das die Flaschendeckel über so Förderbänder hochfördert, mit Rüttelrampen verteilt und dann mit so verschiedenen Sensoren die Farbe erkennt und dann in verschiedene Bottiche kippt, je nachdem, welche Farbe das ist. Und so haben wir dann die zwei Millionen Flaschendeckel sortiert bekommen und konnten die dann weiterverarbeiten. Und alles, was quasi die Sortiermaschine nicht erkannt hat, da hatten wir dann die große Unterstützung von der Förderschule vor Ort. Die haben das in ihrem Werkunterricht dann noch weiter sortiert. Alle Sachen, die nicht sortiert werden konnten, haben die quasi für uns vervollständigt. Und so hatten wir dann riesige Mengen an homogen perfektem Recyclingmaterial in den ordentlichen Markenfarben.

Das klingt so, als ob Sie für jedes Problem einfach eine Maschine bauen. Woher haben Sie denn das Know-how überhaupt? Ich meine, Sie studieren ja jetzt Maschinenbau. Woher hatten Sie überhaupt das Know-how, Ihre eigenen Maschinen zu bauen? Und wie kamen Sie an die Hardware heran, die Sie dafür ja auch brauchen?

Okay, also ich denke, hier muss man erst mal ein großes, großes Missverständnis aufklären, dass viele Leute denken, man braucht, um irgendwas zu entwickeln, einen Abschluss in irgendwas. Das ist nicht so. Man kann sich alles, was man will, im Internet nachlesen, nachschlagen, in der Bibliothek nachlesen oder eben YouTube-Videos schauen, wo die dann einem genau erklären: Wie fängt man an zu löten, wie verbindet man einen Mikrochip? Und so haben wir es auch gemacht. Wir haben einfach Unmengen an Simpleclub-Videos reingezogen, wo wir dann die ganzen verschiedenen Fächer gelernt haben. Wie verbinden wir einen Arduino, wie steuern wir eine Maschine an, wie steuert man einen Motor? Das gibt es alles online, umsonst, kostenlos. Jeder kann es sich anschauen.

Und wozu dann noch ein Maschinenbaustudium?

Das Maschinenbaustudium ist insofern sinnvoll, weil man ja … irgendwann reichen die YouTube-Videos nicht mehr aus, weil die nicht tief genug gehen. Und da lernt man dann vertiefendes Wissen, zum Beispiel Nitrierung von Stählen und wie man Stahl bearbeitet und härtet. Und das ist für uns mittlerweile auch relevant, weil unsere Maschinen ja auch nicht mehr so Garagenbasteleien sind, sondern wir mittlerweile professionell Maschinenbau betreiben und an führende Autokonzerne verkaufen. Da muss man Standards und Normen erfüllen. Man muss Schaltschränke so bauen, dass sie nicht explodieren und dass sie keinen Kurzschluss verursachen bei der Autoproduktion. Deshalb ist unser Gedanke: Wir hängen das Studium dran und lernen das noch mal professionell, dass wir das wirklich verbinden. Und ich muss sagen, wir bauen … wir machen ja auch in der Firma, machen wir ja keine, keine Medien oder TikToks, sondern wir bauen ja wirklich Maschinen. Das heißt, für uns ist das Studium, was ja viele Leute immer als theoretisch und abstrakt bezeichnen, ist gar nicht so theoretisch und abstrakt. Wenn ich in der Vorlesung noch lerne, okay, wie muss man einen Stahl nitrieren, dann kann ich das am Nachmittag noch den Lieferanten sagen, dass wir das so und so haben wollen, und kann es endlich verstehen und kann auch nicht mehr so leicht – wie soll ich sagen? – veräppelt werden, weil ich dann weiß: Okay, so muss der Stahl hergestellt werden, so muss gefräst werden und das hat diese und diese Folgen. Das heißt, insofern denke ich, war es bisher zumindest eine der besten Entscheidungen. Auch einfach durch die Nähe zur Uni profitieren wir von lauter talentierten Maschinenbauern und Maschinenbauerinnen, die eben vor Ort sind, Bock haben, was zu reißen, und erste Erfahrungen sammeln wollen. Und wo geht das besser als in einem Start-up, wo man durchgehend irgendwelche verrückten Maschinen baut?

Wenn heute Leute quasi unsere zwei GmbHs sehen oder die Maschinenbaufirma, dann denken die so: Wie habt ihr das gemacht mit 19? Aber die Leute müssen ja eben quasi sehen, wie wir angefangen haben: in der Garage, mit irgendwelchen Wasserrohren, und dann hat sich das eben in ultrakleinen Schritten über die letzten vier Jahre aufgebaut. Das heißt, wenn man das so betrachtet, dann ist es gar nicht mehr so, so extrem, so krass oder bewundernswert, sondern es ist einfach ganz viele kleine Projekte und dadurch hat man dann immer wieder den Mut, das nächstgrößere zu starten.

Aber so wie das klingt, die vielen Maschinen, die Sie bauen, haben Sie da nicht manchmal Angst, sich auch komplett zu verzetteln?

Ja, also Fokus ist in der Tat schwierig bei uns.

Was heißt Fokus für Sie?

Ja, Fokus heißt, dass man zum Beispiel … man entwickelt eine App ganz spezifisch für einen Kundennutzen, bringt sie auf den Markt, verkauft [sie] oder 1.000 Lizenzen. Und dann holt man sich einen Investor rein und dann kriegt man Millionen von Euros in Finanzierungen und geht dann weiter. So, also fokussiert nur an einem Thema arbeiten. Das ist bei uns nicht ganz so, weil wir haben eher so ein ganzheitliches Konzept. Das heißt, wir denken – das ist gerade auch das Problem bei Recycling –, dass sich so viele verschiedene Firmen immer nur auf ihren Bereich konzentrieren. Wir sind der Kontrast dazu. Wir fangen an mit Plastikmüll und gehen den ganzen Weg bis zum fertigen Produkt an dem Endkunden. Herkömmliche Industrie ist so: Da gibt es einen, der holt den Müll ab, der gibt das an den Typ, der den Müll schreddert, der gibt es an den Typ, der den Müll verarbeitet zu einem Produkt, der gibt das an den Händler, an den Großhändler, der gibt das an Kleinhändler, und dann landet der Blumentopf im Blumenladen. So. Das heißt, man hat eine riesige Kette und die reden nicht alle miteinander. Wir sind quasi anders. Wir fangen mit dem Müll an und gehen den ganzen Weg bis hin zum fertigen Produkt. Das Problem ist halt: Man hat dadurch weniger Fokus. Würden wir zum Beispiel nur eine Sache machen, wären wir wahrscheinlich in diesem Bereich erfolgreicher. Aber ich denke, langfristig zahlt sich das aus, wenn man eine breite Basis hat und quasi nicht nur seine Spezialkompetenz hat, sondern sich ein bisschen breiter aufstellt und diese Kette von Anfang bis Ende beherrscht.

Sie haben vorhin schon erwähnt, Sie haben sich eine alte Rewe-Halle gemietet in der Anfangszeit.

Ja.

Und Sie haben auch Hardwarekomponenten natürlich kaufen müssen für Ihre Maschinen. Wie haben Sie denn das eigentlich alles finanziert? Sie haben ja auch Ihren Lebensunterhalt finanzieren müssen.

Also am Anfang waren wir halt noch alle Schüler – und ich meine, das ist das Entscheidende. Die Leute denken, es wäre so ultraviel Aufwand und Kosten damit verbunden, ein Start-up zu gründen. Aber der Großteil sind meistens Personalkosten. In vielen Unternehmen ist der Großteil die Personalkosten, und die haben wir halt nicht, weil wir waren ja alle Schüler, das war unser Hobby. So. Das war halt nach der Schule wie eine AG, wie „Jugend forscht“, ein Projekt. Und so hatten wir quasi keine Personalkosten. So. Und dann haben wir halt am Anfang … wir haben alle Maschinen von Anfang an selbst gebaut. Das heißt, wir haben nicht irgendwie teure Maschinen eingekauft für mehrere 100.000 Euro, sondern wir haben vom Schulhausmeister die Schweißmaschine ausgeliehen bekommen und dann den Küchenmixer entwendet und so hat das quasi angefangen. Und das kam dann sehr Schritt für Schritt. Das heißt, so konnten wir die Kosten gering halten. Die Halle war eine andere Geschichte, weil: Das war schon so eine Art Sprung. Wir haben in der Garage rumgetüftelt, wir hatten die ersten Erfolge, die ersten Verkäufe, aber es wäre noch nicht genug gewesen, um eine Halle zu finanzieren. Aber ich hatte ja eben die Relevanz von Wettbewerben genannt, und wir waren bei „STARTUP TEENS“ und haben den ersten Platz bei „Startup Teens“ gewonnen. Da kriegt man 10.000 Euro. Und dann hatten wir mit den 10.000 Euro uns die gesamte Rewe-Halle gemietet für ein Jahr und so konnten wir das quasi finanzieren. Hätten wir die 10.000 Euro nicht gewonnen, hätten wir große Probleme gehabt, wahrscheinlich alle privat verschuldet, um diese ganze Halle zu finanzieren. Aber das Gute war: „Startup Teens“ war quasi unser Business Angel. Und während wir dann dieses Jahr Laufzeit hatten, sind wir profitabel genug geworden, um das dann selber zu finanzieren. Und ich denke, das ist auch so ein großer Kernpunkt, wenn man von Anfang an als Unternehmen ans Profitabelwerden denkt und auch irgendwie ein bisschen knapperes Geld hat und damit wirtschaften muss, dann lernt man was ganz anderes, was Unternehmen haben, die einfach ganz viel Geld aufnehmen, einfach gar nicht lernen oder beachten.

Haben Sie je an Förderkredite gedacht? Oder Investoren? Oder vielleicht tun Sie das ja jetzt, wenn QiTech jetzt weiter wächst.

Ja. Also Investoren haben wir natürlich häufig überlegt, gerade wenn man sieht, wie befreundete Gründer richtig durchstarten mit riesigen Investorengeldern. Aber unser Ziel ist eher, so ein Hidden Champion zu werden. Wissen Sie, in Deutschland gibt es ja viele Hidden Champions, Weltmarktführer, in so einer Nische, haben dann ihre paar Hundert Mitarbeiter, ihre Firmenzentrale und niemand kennt sie, aber sie sind halt Weltmarktführer und die ganze Welt verlässt sich auf die Produktion von diesen Unternehmen. Und das ist so unser Ziel: So eine schöne Fabrikhalle, wo man seine Maschinen baut, und das wäre cool. Und ich denke, es ist auch cool, wenn man nicht so investorengetrieben ist, sondern sich ein bisschen freier entwickeln kann. Weil: Ein Investor würde zum Beispiel immer wieder sagen: „Fokus, ihr könnt nicht alles machen, konzentriert euch auf einen Teil! Kauft das Plastik irgendwo ein und macht daraus Filament und dann fertig! Macht nicht noch Spulen, macht nicht eigenes Recycling oder baut nur die Maschinen, aber baut auch nur eine Maschine und nicht die ganze Linie!“ Aber wir wollen ja quasi diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und das ist ein bisschen konträr zu der Meinung von Investoren. Deshalb war das für uns nie so ein großes Ding. Kredite bisher auch nicht, weil wir hatten eben die Philosophie: Wir müssen aus eigenen Profiten wachsen. Langsames Wachstum ist stetiges Wachstum, ist ein nachhaltiges Wachstum. Und das funktioniert auch bisher sehr gut. Das Problem, wo wir jetzt ein bisschen in die Bredouille kommen, ist halt, dass wir eben ein Maschinenbauunternehmen sind. Und wenn wir unsere Maschinen bauen, müssen wir Zehntausende Euros mittlerweile monatlich für Elektrokomponenten, für Kabel, für Schrauben, für Metallteile ausgeben, damit wir überhaupt die Basis haben, um die nächsten Maschinenaufträge zusammenzuschrauben. Und dann gibt es auch noch das zweischneidige Schwert der Autoindustrie. Die Autoindustrie hat sich irgendwie ausgedacht, dass sie ein 90-Tage-Zahlungsziel hatten. Das heißt, man liefert eine Maschine und man bekommt erst 90 Tage später sein Geld. Und [in]sofern wird es jetzt für uns relevant. Wir überlegen gerade, einen Kredit aufzunehmen, man braucht halt Arbeitskapital. Also wir würden das dann auch nicht irgendwie für – was weiß ich? – Bürostühle oder so was ausgeben oder Marketing, sondern bei uns geht es wirklich darum, dass wir halt die Metallteile finanzieren können, um halt mehr Aufträge annehmen zu können, um mehr gleichzeitig bauen zu können. Das heißt, wenn was für uns infrage kommt, dann ist es aktuell ein Förderkredit.

Und würden Sie jetzt sagen, es hat Sinn, sich damit auseinanderzusetzen als Gründerinnen oder Gründer?

Ich denke, erst ab einem gewissen Zeitpunkt. Ich denke, viele Leute fangen viel zu früh an, sich damit auseinanderzusetzen: Wie kriege ich eine Investorenrunde zusammen? Oder: Wie nehme ich jetzt 100.000 Euro auf von der Bank, um dann anzufangen? Ich denke, es ist sinnvoller, wenn man erst mal zum Beispiel bei einem Wettbewerb teilnimmt und einfach mal die Idee raus in die Welt trägt und schaut, wie Leute darauf reagieren, ob das überhaupt einen Markt hat. Wenn man das erste Mal einen Prototyp baut, wie wir mit unserer Plastikmixer- und Wasserrohranlage, dass man erst mal so die Grundzüge des Businesses überhaupt versteht und dann auch wirklich genauer weiß, wo es hingeht. Ich denke, Investoren und auch Bankkredite, die dürfen eigentlich erst einen Schritt später anfangen, wenn man in der Skalierungsphase ist, so wie wir quasi jetzt. Wir haben ein etabliertes System, wir haben weltweite Kunden; und jetzt geht es darum, zu skalieren, mehr Metallteile einzukaufen, günstiger einzukaufen, größere Mengen zu verarbeiten. Und dann sollte man sich sehr intensiv damit beschäftigen. Aber ich denke auch, dass gerade die … diese Tradition von Familienunternehmertum in Deutschland quasi wirklich viel Wohlstand erzeugt hat, dass das wirklich Deutschland vorangebracht hat. Deshalb glaube ich auch daran, dass man nicht zu schnell auf Investorengelder zurennen sollte und quasi seine halbe Firma abgibt, damit man am Anfang ein paar Zehntausend Euro hat. Ich denke, man sollte schon, wenn man wirklich an seine Idee glaubt, auch das Risiko eingehen und zum Beispiel einen Kredit aufnehmen und damit durchstarten und somit die Anteile ein bisschen mehr bei sich halten und damit auch die Bestimmungen ein bisschen mehr bei sich halten, weil ich denke, da macht es auch mehr Spaß zu gründen.

Ja, Herr von dem Bussche, Sie kennen unseren Podcast, da gibt es eine Rubrik namens „Mantra Mantra“ …

Ja.

… in der wir so immer die Businessleitlinien abfragen, die unsere Unternehmerinnen und Unternehmer so verfolgen.

Welche sind die größten Vorteile von sehr frühen Gründungen?

Größere Aufmerksamkeit in der Presse und die Möglichkeit, an Jugendwettbewerben teilzunehmen, wo man sehr schnell sehr qualifiziertes Feedback bekommt ohne hohes Risiko.

Wie können sich sehr junge Gründerinnen und Gründer optimal für die Gründung ihres Unternehmens vorbereiten?

Indem sie an einem Wettbewerb teilnehmen, zum Beispiel „Startup Teens“, „Jugend gründet“, einen Businessplan schreiben, ausprobieren, mal vor einer Jury die Idee vorstellen und präsentieren. Und dann merkt man schon: Ist das eine Idee, die gut ankommt? Wie kommt sie an und wo muss ich noch verbessern? – komplett risikofrei. Und wenn man gut ist, dann gewinnt man auch noch viel Geld oder coole Reisen ins Silicon Valley.

Wie wichtig ist für Teenagergründungen der Austausch mit älteren Generationen?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich denke, in gewisser Weise ist es ein bisschen einschränkend, wenn man zu viel mit Leuten redet, die schon lange im Business sind, weil die dann ja schon so eine fixe Version haben, wie das alles zu funktionieren hat: Wie sollte ein Team aufgebaut werden? Und so sollte die Arbeitszeit aussehen. Und so muss man eine Maschine zusammenschrauben. Und du kannst die Teile nicht hier kaufen. Und dass du einen günstigen Sensor nimmst statt den teuren Industriesensor, das ist ja unvorstellbar. Macht das gar nicht, das ist Zeitverschwendung! – So Sachen muss man sich eben anhören. Und das schränkt ein bisschen ein. Auf der anderen Seite: Ich war während meiner Gründungszeit so ein pubertierender Teenager. Ich habe zum Beispiel einfach gar nicht mit meinen Eltern geredet zu der Zeit. Und das bereue ich eben rückblickend, weil: Hätte ich vielleicht mal ein bisschen mehr nach Hilfe gefragt oder ein bisschen mehr mich darüber unterhalten, hätte ich auch viel mehr Input bekommen und Feedback und wäre vielleicht auch schneller vorangekommen, weil man muss ja auch nicht jeden Fehler zweimal machen.

Was sind die wichtigsten Leitlinien für Unternehmensführung in jungen Jahren?

Ich denke, man muss sich immer eingestehen können, dass man einfach noch nicht reif, erfahren oder perfekt ist. Also teilweise vor allen Dingen mit älteren Mitarbeitern so: Wer bin ich als 18-Jähriger, einer Person zu sagen, was sie zu tun hat und zu lassen hat? Sondern dass man da auch quasi ständig dazu bereit ist, sich selbst zu hinterfragen und den eigenen Führungsstil zu hinterfragen, weil: Der entwickelt sich ja gerade erst. Und man muss dann einfach sehr, sehr am Boden bleiben und sehr oft auch eingestehen und auch Fehler zugeben, so: Okay, das war doof, dass wir das so gemacht haben. Okay, ich hätte das Projekt anders managen sollen. Nächstes Mal sollten wir vorher überlegen, was wir machen, bevor wir direkt was machen. So Sachen muss man dann auch offen kommunizieren.

Nach unserem „Mantra Mantra“ haben wir immer ein paar Sätze, die wir autovervollständigen lassen.

Okay.

Da bin ich jetzt auf Ihre Antworten gespannt. Ich wollte unbedingt ein Unternehmen gründen, weil …

… ich eine Begeisterung für Technik habe und es cool finde, wenn vor mir Maschinen stehen und die irgendwas Cooles produzieren und sich Motoren drehen und alles läuft. Das ist irgendwie sehr befriedigend, so einem funktionierenden Prozess zuschauen zu können.

Open Source bedeutet für mich …

… die Zukunft der Industrie auf der ganzen Welt. Ich denke, die Zeiten, wo sich alle Unternehmen gegenseitig als große Konkurrenz sehen und versuchen, alles geheim zu halten, ist vorbei. Ich glaube, Open Source ist die große Zukunft.

Die verrückteste Sache, die ich je 3D-gedruckt habe, war …

… ein Oktopus. – Also, Oktopus. Was ist denn ein Oktopus? – Ein Tintenfisch, genau. Ein Plastik-Tintenfisch. Man kann im 3D-Druck so einen Tintenfisch drucken, der sich auch noch … alle Arme können sich so bewegen, frei bewegen. Und den hatte ich dann irgendwie immer dabei und habe den auch in der Schule so gezeigt, wie sich das so dreht und anfühlt. Und auf einmal waren alle Leute sehr begeistert, wie krass doch die Möglichkeiten sind, mit dem 3D-Drucker irgendwas herzustellen.

Wenn ich eine Maschine meiner Wahl bauen dürfte, dann wäre es eine …

… neue Version der Flaschendeckel-Sortiermaschine, die mit einem riesigen Fließband zehn Deckel pro Sekunde schafft.

Herzlichen Dank, Herr von dem Bussche! Grüße an Ihre Mitgründer und Ihr Team. Toi, toi, toi für QiTech!

Vielen Dank!

Und ich würde sagen, wenn Sie diese Maschine gebaut haben, dann sprechen wir uns wieder.

So machen wir es.

Danke, dass Sie hier waren!

Vielen Dank.

Wir haben bei „Ungeschönt“ eine ganze Reihe von sehr jungen Gründerinnen und Gründern vorgestellt. Das Beispiel QiTech macht deutlich, mit wie viel Elan und Gründergeist auch Schülerinnen und Schüler bereits an Unternehmensgründungen herangehen. Mehr zu QiTech, aber auch weiterführende Informationen zum Thema Gründen und Nachfolge finden Sie wie immer auch in unseren Shownotes.

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